Die alte Weide
Zweige wie Finger im Wasser. Darüber flimmert die Luft wie über heißem Asphalt, nur dass es kalt ist. Wer hindurchgeht, hört das Schilf rauschen, obwohl kein Wind geht.
Band 1 · Dark Fantasy
Ort ohne Schatten
Dark Fantasy über die Sehnsucht, irgendwo dazuzugehören, und den Preis, den niemand nennt.
I · Das Buch
Am Rheinufer in Bonn steht ein Zirkus, den es nicht geben dürfte. Kein Stadtplan verzeichnet ihn. Die Raben auf den Masten fliegen nicht auf, wenn man näher kommt. Und der Ringmeister sieht auf einem Programmheft von 1998 genauso aus wie heute.
Fero »Feo« Aren ist siebzehn und kennt das Wort, das die Welt für Menschen wie ihn hat: Wahnsinn. In Circkool fragt niemand danach. Hier gibt es andere wie ihn. Hier schläft er zum ersten Mal ohne Angst.
Doch einmal im Monat ist Vollmond.
Und einmal im Monat verlässt jemand den Zirkus.
Die anderen nennen es Glück. Der Ringmeister nennt es Graduierung. Zurück kommt keiner, und niemand fragt, wohin.
Bis Feo im Wasser des Rheins eine Tür entdeckt, die es nur im Spiegelbild gibt. Dahinter liegt ein Grau ohne Licht, und darin stehen Gläser, die leuchten.
Beim nächsten Vollmond trifft es ein Mädchen, nach dem niemand fragen wird.
Feo wird der Erste sein, der fragt.
Die Hinweise gelten für den ganzen ersten Band und können Wendungen verraten, deshalb öffnen sie sich erst auf Klick.
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II · Die Welt
Zweige wie Finger im Wasser. Darüber flimmert die Luft wie über heißem Asphalt, nur dass es kalt ist. Wer hindurchgeht, hört das Schilf rauschen, obwohl kein Wind geht.
Ein Zelt aus schwarzem Tuch, der Schriftzug abgeblättert. Die Vorhänge stehen halb offen, als hätte jemand gerade hinausgesehen. Drinnen riecht es nach Sägemehl und altem Holz und nach etwas, das wartet.
Wagen im Halbkreis, Lichterketten dazwischen, von denen immer nur die Hälfte brennt. Aus einem riecht es nach Karamell. Vor einem anderen steht ein Teller auf der Treppenstufe.
»Niemand fragt dich, wer du bist. Das ist nicht Höflichkeit.«
III · Die Bewohner
Fähigkeiten, für die es draußen keine Namen gibt.
Der »Bildermann«. Wortkarg, wachsam, trockener schwarzer Humor. Wut, die plötzlich durchbricht.
»Was ist im verbotenen Wagen?«
Groß, schmal, schwarz gekleidet. Ein warmes Lächeln, ein Notizbuch und ein Hut, den er nie aufsetzt.
»Älter, als ich aussehe. Jünger, als die Verträge sagen.«
Der Lustige. Zwingt seinen Körper in Formen. Weite Pullover, Sprüche, Spitznamen. Hinter dem Witz der Schmerz.
»Du bist gut, Bildermann.«
Laut, frech, flucht. Die Beschützerin der Gruppe.
»Dann müssen wir.«
Wenige Worte. Jedes davon sitzt.
»Manchmal ist es, als würde etwas zählen.«
Spürt das Wetter, bevor es kommt, und das Wetter in Menschen. Nüchtern, direkt.
»Heute kommt Wind. Gegen vier. Vom Fluss.«
Arias Bruder. Macht Dinge leichter oder schwerer. Todernst.
»Nah an Winters’ Wagen ist die Schwerkraft anders.«
Seine Stimme zieht Menschen, und er hört jede Lüge. Theatralisch, präzise, trocken.
»Das ist meine Versicherung. Lebt sich leichter mit Versicherung.«
Sieht zwei Morgen zugleich. Müde, abwesend.
»Meistens bedeutet es: Jemand trifft eine Wahl.«
Aus Sankt Petersburg. Kaum Worte, Hände, die immer etwas reparieren wollen.
»Der Vogel ist verrückt.«
Freundlich, praktisch und seltsam leer.
»Pass auf, dass du zurückkommst.«
Sagt Sätze, die er nicht gehört haben kann.
»Das Glas ist voll.«
Alt und grau. Überschreitet eine unsichtbare Linie nie.
Bis hierher. Nie weiter.
Einer der neun Raben auf den Zeltmasten. Eine einzelne weiße Schwungfeder, hell wie ein Kreidestrich.
Fliegt nicht auf, wenn jemand kommt.
IV · Das Regal
Jedes Glas hat ein Schildchen. Keines einen Namen, den du kennst.
»Nicht anfassen. Nur ansehen.«
V · Die Reihe